| Veranstaltung: | Landesparteitag Schleswig-Holstein 25./26. März 2023 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 5. Anträge |
| Antragsteller*in: | Jan Kürschner (KV Kiel) |
| Status: | Zurückgezogen (unsichtbar) |
| Angelegt: | 21.02.2023, 21:20 |
Für eine moderne und umfassende Gewaltprävention in Schleswig-Holstein
Antragstext
Wir wollen:
Ein niedrigschwelliges, freiwilliges, ambulantes, offensives Hilfeangebot
für Menschen mit einem erhöhten selbst- oder fremdgefährdenden
Gewaltrisiko
Sozialpädagogisches und psychotherapeutisches Einzelfallmanagement und
gruppentherapeutische Angebote
Eine Betreuung zu Hause oder in den Räumlichkeiten der Präventionsambulanz
Eine engmaschige Verzahnung aller beteiligter Akteur:innen
Zeitnahme Behandlungsangebote
Fortlaufende Evaluation der bestehenden Hilfeangebote
Eine entstigmatisierende und enttabuisierende Aufklärungskampagne zum
Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen
Begründung
Die beste Kriminalpolitik ist und bleibt eine gute Sozialpolitik“ – so alt dieser Gedanke von Franz von Liszt ist, so hoch aktuell und richtig ist und bleibt er.
Psychische Erkrankungen steigen in Deutschlands Bevölkerung mehr und mehr. Eine psychische Erkrankung kann jeden treffen, ob jung oder alt. Die Zahl derer, die wegen psychischer Erkrankung Hilfe suchen, nimmt stetig zu. Der zunehmend weniger tabuisierte und stigmatisierte Umgang mit psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft mag dazu beitragen, dass mehr Menschen Hilfe suchen und ihre Erkrankung als solche auch wahrnehmen, adressieren und behandeln lassen. Eine schizophrene Erkrankung kommt kulturunabhängig und länderübergreifend bei etwa 1% der Bevölkerung vor. Das wären in Schleswig-Holstein fast 30.000 Menschen.
Bündnis´90/Die Grünen haben sich stets für die Enttabuisierung psychischer Erkrankungen eingesetzt. Als moderne Gesellschaft müssen wir uns mit dem Thema der psychischen Erkrankungen immer und aktuell beschäftigen. Wir haben in Schleswig-Holstein ein modernes Gesetz zur Hilfe und Unterbringung von Menschen mit Hilfebedarf infolge psychischer Erkrankung (PsychHG). Auf ambulante und teilstationäre Formen der Hilfe wird besonderes Gewicht gelegt, frühzeitig und unter Ausschöpfung der verfügbaren erfolgversprechenden Möglichkeiten soll Hilfe erbracht werden. Dieses erfolgt unter breiter Einbeziehung möglichst aller beteiligter Institutionen, Träger, Verbände, Einrichtungen der Jugend- und Eingliederungshilfe und ganz wichtig auch der Betroffenenverbände.
Zwar ist empirisch vielfach belegt, dass psychisch gestörte Menschen nicht häufiger zu Gewalttätigkeiten neigen als psychisch Gesunde. Dennoch sind uns Vorfälle von Gewaltausbrüchen psychisch erkrankter Menschen sehr präsent. Hier haben wir bisher viele und gute Angebote in der forensischen Nachsorge, die Leuten helfen, nicht erneut zu Tätern zu werden. Doch um Personen, die ein selbst- oder fremdgefährdendes Gewaltrisiko haben, wird sich im Vorfeld von Gewalttaten noch nicht ausreichend gekümmert. Das ist aktuell Aufgabe der sozialpsychiatrischen Dienste der Gesundheitsämter, die für diese Aufgabe nicht ausreichend gut aufgestellt wirken.
An genau diesem Punkt wollen wir ansetzen und das psychologische Hilfeangebot in Schleswig-Holstein erweitern und ausbauen. Wir wollen ein gewaltpräventives niedrigschwelliges Hilfeangebot flächendeckend in ganz Schleswig-Holstein schaffen, das die bisherigen Angebote ergänzt und eine Lücke im Versorgungssystem schließt.
Dieses Angebot soll in Form von multidisziplinären Teams mit forensischer Erfahrung aus Psychiatrie, Psychologie, sozialer Arbeit und Pflege in Form von Ambulanzen, auch mit Hilfeangeboten die Patient:innen frühzeitig erreichen, dabei selbständig aufsuchen und gewaltpräventive Hilfsangebote in Form von Aufklärung, sensibilisierenden Gruppentrainings und Einzeltherapien bieten und bestenfalls Therapieangebote vorhalten, die den betroffenen Menschen in seinem Alltag und Umfeld belässt, aber auch Hilfen bei sozialen Problemstellungen bieten.
Unterstützer*innen
- Florian Juhl (KV Pinneberg)
- Martina Behrens-Krull (KV Kiel)
- Zoe Engel (KV Lübeck)
- Fabian Osbahr (KV Segeberg)
- Moritz Bührmann (KV Kiel)
- Kerstin Mock-Hofeditz (KV Nordfriesland)
- Helmut Borchers (KV Stormarn)
- Denise Loop (KV Dithmarschen)
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Zoe Engel: